TESTIMONIAL - Sönke Rodyk

Sönke hatte schon während seiner Ausbildung zum Koch Auslandsluft geschnuppert, nun absolvierte er einen dreimonatigen beruflichen Aufenthalt in England

BoG: Herr Rodyk, Sie haben bereits während Ihrer Ausbildung ein dreiwöchiges Praktikum in Österreich absolviert. Wie sind Sie damals auf die Idee gekommen und warum wollten Sie es machen?
Als ich mich damals entschieden habe, eine Ausbildung als Koch anzufangen, war für mich von Anfang an klar, dass ich früher oder später im Ausland als Koch arbeiten werde. Die Variabilität war es, die den Beruf so attraktiv für mich gemacht hat. Viele sehen immer nur die schlechten Seiten am Beruf, z.­­­ B. die Arbeitszeiten, die Arbeitsverhältnisse, die Vorurteile gegenüber dem Beruf usw. Aber ich habe in diesem Beruf die Möglichkeit gesehen, viele verschiedene Länder, Regionen, Städte, Esskulturen, Restaurants, Köche und Menschen kennen zu lernen. In meinem damaligen Ausbildungsbetrieb ist die Zeit von Januar bis März eher ruhig und somit wollte ich die Zeit für ein außerbetriebliches Praktikum nutzen. Dann habe ich einfach mal gegoogelt was es in der Umgebung für Möglichkeiten gibt und bin auf das Erasmus+ Programm der Oldenburgischen Handwerkskammer gestoßen.

BoG: Sie haben jetzt, nach Abschluss Ihrer Ausbildung, für drei Monate in einem Betrieb in England gearbeitet. Wie war es und welche Erfahrungen konnten Sie dort sammeln?
Die drei Monate in England waren einfach unglaublich für mich! Ich bin ein Mensch, der sich nur entwickelt, wenn ich aus meiner eigenen Komfortzone heraustrete und mich neuen Herausforderungen stelle. Ich hasse mich dafür oftmals selber am meisten, aber wenn ich dann zurückblicke war es immer genau der richtige Schritt um über mich selbst hinauszuwachsen. Ich habe während der Zeit in England Erfahrungen in jeglicher Hinsicht gesammelt. Für mich waren die wichtigsten Erfahrungen natürlich die aus der Küche und über die englische Esskultur. Zum Beispiel habe ich dort zum ersten Mal in einem Tapas Restaurant gearbeitet und mich vorher auch noch nie wirklich damit beschäftigt. Während der Zeit in England habe ich zu jeder Zeit Input bekommen, da ich mich nicht nur während meiner Arbeitszeit mit Essen und Kochen beschäftige, sondern auch in meiner Freizeit sehr gerne Essen gehe, Zuhause koche und neue Sachen ausprobiere. Daher habe ich in meinem Köche-Tagebuch sehr viele Rezepte, Ideen und Erfahrungen notiert und werde auf die in der Zukunft auf jeden Fall wieder zurückgreifen. Aber auch die Erfahrungen durch das Leben in einer Gastfamilie, die Menschen die ich dort in meiner Freizeit kennen gelernt habe, die englische Pubkultur, die wunderschönen Landschaften und Städte in Devon und Cornwall und natürlich die sprachlichen Erfahrungen, die ich dort jeden Tag gesammelt habe, sind sehr wertvoll für mich.

BoG: Wie war das Betriebsklima? Konnten Sie Ihre Erfahrungen in die Arbeit einfließen lassen?
Das Team in der Küche war mit zwei englischen Köchen, einem marokkanischen Koch und mir, einem deutschen Koch, sehr international aufgestellt und genauso spiegelte sich das auch auf der Karte wieder. Von spanischen, italienischen, marokkanischen, englischen bis zu deutschen Gerichten. Jeder konnte seine Erfahrungen und Ideen einfließen lassen. Da wir uns untereinander alle sehr gut verstanden haben, war die Zusammenarbeit in der Küche wirklich außerordentlich. Jeder hat jedem geholfen, alle haben voneinander gelernt und von den unterschiedlichen Erfahrungen profitiert. Das war meiner Meinung nach auch der Schlüssel zum Erfolg dieser kleinen Tapas Bar, die jedes Wochenende aus allen Nähten platzte.

Gab es sprachliche Barrieren während Ihrer Zeit in England?
Mit meinem Schulenglisch bin ich im normalen Alltag in England ganz gut zurecht gekommen, aber ich war vor Situationen und Gesprächen noch etwas nervös. Doch mit jedem verstrichenen Tag wurde mein Englisch besser, ich habe eine regelrechte Routine bekommen und habe mich in den letzten Wochen mit Freuden in jedes Gespräch gestürzt.
In der Küche musste ich in den ersten zwei Wochen öfters mal nachfragen, wie die Begriffe für einige Arbeitsutensilien, Lebensmittel und Arbeitstechniken sind. Das war aber gar kein Problem, da im Endeffekt alle Küchen auf der Welt sehr ähnlich aufgebaut sind, die Arbeitsutensilien, die Lebensmittel und Arbeistechniken fast gleich sind. Da ich mein Köche-Tagebuch aber auch auf Englisch geschrieben habe und ein Vokabelverzeichnis geführt habe, war das schnell behoben. Trotzdem musste ich bei der Arbeit immer sehr konzentriert sein, damit ich die Ansagen meiner Küchenchefin und meiner Kollegen richtig verstehe und übersetze, weil es an einem stressigen Abend in einer Restaurantküche sehr hektisch und laut werden kann und keine Zeit für Fehler ist. Genau das war aber auch für mich ein sehr wichtiger Punkt, dass ich in der Zukunft in einer internationalen Küche keine Probleme habe mich mit meinen Kollegen verständigen kann.

BoG: Konnten Sie Unterschiede zum Arbeiten in Deutschland feststellen?
Da es in England nicht das Ausbildungssystem wie in Deutschland gibt, gibt es dort nicht immer ausgebildete Köche und deswegen gibt es dort auch nicht nur den einen Weg wie etwas gemacht wird, sondern es gibt auch noch einen Weg links und rechts. Die Hauptsache ist im Endeffekt, dass das Essen lecker ist.
Zusätzlich ist es von der Herangehensweise in der Küche und generell im Alltag alles entspannter und
lockerer.
Ein sehr gutes Beispiel dafür ist, dass bei uns in der Küche am Wochenende so viel zutun war, dass wir teilweise keine Teller, Schüsseln und Platten mehr zum Anrichten hatten. Dann gab es eine Ansage von der Küchenchefin "No more orders for the next 15minutes", d.h. die Kellner haben den Gästen Bescheid gesagt, dass vorerst keine neuen Bestellungen aufgenommen werden. Wir haben dann die Produktion in der Küche gestoppt, konnten uns neu sortieren und wenn dann wieder saubere Teller etc. da waren, ging es weiter. Und niemand hat sich beschwert. Soetwas könnte ich mir in einem deutschen Restaurant niemals vorstellen.

BoG: Was war Ihr persönliches Highlight?
Mein Highlight waren die zwei Tage, die ich in dem englischen Restaurant "The Pie Street" mitgeholfen habe. Ich bin eines Tages in das Restaurant gelaufen, habe mich vorgestellt und die Besitzer gefragt, ob ich mir mal anschauen könnte, wie ein typischer englischer "Sunday Roast" hergestellt wird. Die Angestellten dort waren so begeistert von meinem Interesse an deren Küche und der Zubereitung des Essens dort, dass ich nochmal eingeladen wurde um alles über die traditionelle Herstellung von "Pie’s & Pastries" zu lernen. Dieser Einladung bin ich dann natürlich nachgekommen und habe dann sogar betriebsgeheime Rezepte, Tipps und Tricks vermacht bekommen. Nicht nur diese machen die zwei Tage dort zu meinem Highlight, sondern auch das zwischenmenschliche Verhältniss, das ich dort zu den Leuten aufgebaut habe. Von der ersten Sekunde an wurde ich dort mit einem offenen Herzen empfangen, ich habe dort tolle Menschen kennen gelernt, ich hatte Spaß daran, etwas zu lernen und sie hatten Freude daran mir etwas beizubringen. Danach bin ich noch öfters auf ein Bierchen ins Pie Street gegangen.

BoG: Haben Ihnen die Praktika hinsichtlich Ihrer weiteren beruflichen Entwicklung nochmal neue Aspekte oder Ideen aufgezeigt?
Jeder Koch wächst mit neuen Herausforderungen, Erfahrungen und Ideen. Es war nicht immer einfach, aber ich habe die beiden Herausforderungen in Österrreich und England gemeistert und dort sehr viele neue Erfahrungen, Ideen und Rezepte gesammelt. Ich habe versucht so viel wie möglich davon in meinen Köche-Tagebüchern festzuhalten, um in der Zukunft darauf zurückgreifen zu können. Ich bin mir sicher, dass ich dieses Wissen in meiner beruflichen Laufbahn auch noch in vielen weiteren Betrieben einfließen lassen kann.

BoG: Gab es Schwierigkeiten bei der Organisation der Praktika?
An dieser Stelle möchte ich mich bei der Mobilitätsberatung der HWK Oldenburg bedanken, die mir die Organisation der beiden Praktika fast vollständig abgenommen und mich auch während der Zeit im Ausland zu jeder Zeit unterstützt hat und für Fragen oder Probleme erreichbar war. Ich bin sehr dankbar, dass mir diese Zeit durch das Programm "Berufsausbildung ohne Grenzen" ermöglicht wurde.

BoG: Würden Sie Auszubildenden bzw. jungen Fachkräften ein Auslandspraktikum empfehlen und warum?
Ich würde es sofort jedem Auszubildenen und frisch Ausgelernten empfehlen, ein Auslandspraktikum
zu machen, denn dabei schaut man über seinen eigenen Tellerrand und entdeckt neue Horizonte.

BoG: Wie geht es für Sie weiter?
Vorrübergehend arbeite ich in dem Restaurant Haus Uptmoor in Lohne. Dort mache ich meine ersten Schritte in der gehobenen Gastronomie. Jedoch beginnt für mich am 22.03.2019 mein nächstes Abenteuer: Ich arbeite dann als Koch auf dem Kreuzfahrtschiff MS Artania und nehme an der Reise von Argentinien (Buenos Aires) nach Frankrach (Marseille) teil. Zeitgleich bin ich an Bord ein Teil der Dokumentationsserie "Verrückt nach Meer".

 
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