Tim Ebert arbeitete für drei Wochen als Kfz-Mechatroniker im nordschwedischen Lappland

Tim ist im September 2018 nach Sorsele in Nordschweden aufgebrochen und hat dort eine eindrucksvolle Zeit erlebt. Möglich wurde dies durch die Unterstützung der Handwerkskammer in Gera (HWK Gera) und des Ausbildungsbetriebs, der PRG Personen- und  Reiseverkehrs GmbH Greiz.

„Mich hat der Gedanke gereizt, einmal etwas völlig Anderes zu machen und interessante Menschen zu treffen“, erzählt Tim Ebert. Dabei wurde allein schon die Anreise für den 20-Jährigen zum Abenteuer, fuhr er doch mit dem eigenen PKW gen Norden und gestaltete die Fahrt fast wie ein „Road-Movie“. Am Ende hatte er 8.500 Kilometer in drei Wochen zurückgelegt und Landschaften gesehen, die ihn tief beeindruckt haben.

Seen prägen die Landschaft in Lappland. Foto: Tim Ebert

„Es gibt in Schweden unendlich viele Seen und Bäche, so viel Natur können wir uns manchmal gar nicht vorstellen“, schwärmt der 20-Jährige, der in Sorsele in einer Ferienunterkunft für Schüler wohnte und sowohl Einblick in die Berufsschule in Arjeplog als auch in die Arbeit seines Gastgeberbetriebes erhielt. Fachlich konnte er dort sowohl in neue Bereiche hineinschnuppern als auch die Kompetenzen, die er in seiner Ausbildung erworben hat, einbringen. Ein Höhepunkt war, als man ihn bat, den betriebseigenen Abschleppwagen zu reparieren. Keine leichte Aufgabe, zumal niemand sich mit dem Fahrzeugtyp wirklich auskannte. Doch es gelang, wobei im wahrsten Sinne des Wortes Handarbeit gefragt war.

 

 

Anschließend kannte wohl jeder im 2000 Seelen-Dorf den Azubi aus Deutschland, der durch die Geschichte zugleich in seiner Meinung bekräftigt wurde, bei der Ausbildung in der Berufsschule nicht nur auf die Technik zu setzen, sondern mehr das Verständnis für Zusammenhänge und Prozesse zu fördern. In Sorsele wurde er nun noch öfter eingeladen, berichtet er und schwärmt von den entspannten Leuten, die für ihn der eigentliche Höhepunkt der Zeit in Nordschweden waren.

„Die Menschen waren sehr offen, privat und in der Arbeit, die wollten mich wirklich kennenlernen und etwas gemeinsam unternehmen. Im Betrieb haben sie mir zudem großes Vertrauen entgegenbracht, ich durfte Dinge tun, die nicht selbstverständlich sind“, so Tim Ebert. Sein Wunsch ist es, sich auch in Deutschland ein Stück von der Arbeitsmentalität der Schweden zu erhalten und positiv an die Dinge heranzugehen. Denn mehr Gelassenheit könne ja auch mehr Qualität bedeuten, das habe er in Sorsele gelernt.

Andreas Jörk, Tim Ebert und Stefan Meißner (v.l.) bei der Übergabe des Europass. Foto: Andreas Jörk

Wie Betrieb und Kammern das Projekt unterstützen

Auf die Möglichkeit zum Auslandsaufenthalt aufmerksam geworden war Tim Ebert durch einen Vortrag des Mobilitätsberaters Andreas Jörk von der HWK Gera, der die dortige Berufsschule besucht hatte. Auch Stefan Meißner, Geschäftsführer des Ausbildungsbetriebs PRG Personen- und  Reiseverkehrs GmbH Greiz, fand sofort Gefallen an der Idee. Ein Grund dafür ist sicher, dass er während seines Studiums selbst die Chance genutzt und einige Wochen in der Schweiz hospitiert hatte. Auch aus früheren Tätigkeiten kannte er zudem gelungene Beispiele grenzüberschreitender Kooperation.

Die Vorteile der Auslandserfahrung in der Ausbildung beschreibt Meißner wie folgt: „Mir geht es vor allem darum, dass die jungen Leute ihren Horizont erweitern und sehen, wie andere Betriebe arbeiten. Zugleich können sie die Fähigkeiten, die sie hier bei uns erworben haben, dort einbringen. Jemand, der einmal im Ausland gewesen ist, kann sich in einer fremden Umgebung organisieren und zurechtzufinden. Das muss man als junger Mensch, der sich sonst eher in seinem familiären und betrieblichen Umfeld bewegt, erst einmal meistern. Aus meiner Sicht sind die Mobilitätsprojekte eine charakterbildende Maßnahme für die jungen Leute. Sie wachsen auch als Persönlichkeit.“

Das Programm Erasmus+ war für Stefan Meißner zunächst Neuland, hier erwies sich Mobilitätsberater Andreas Jörk von der HWK Gera als „Türöffner“, der die Chancen des Auslandsaufenthalts für den Auszubildenden und das Unternehmen aufzeigte. Zudem akquirierte er über das Erasmus+ Pool-Projekt „Let´s go“ ein entsprechendes EU-Stipendium. Bei der Maßnahme konnte er sich auf ein Best Practice-Projekt aus Thüringen beziehen, denn im Januar 2018 hatten zwei schwedische Azubis in einem ähnlich strukturierten Betrieb in Saalfeld gearbeitet. Beide kamen aus derselben Schule, über die nun der Kontakt nach Lappland und die Organisation vor Ort liefen. Für Andreas Jörk ein Beleg dafür, wie gute europäische Netzwerkarbeit funktioniert. Er würde den Dialog gerne weiter intensivieren und so auch die Angebote der beruflichen Bildung attraktiver machen. Das „Abenteuer Lappland“ zeige seiner Meinung nach eindrucksvoll, was diesbezüglich möglich ist. Und Tim Ebert kann davon einiges erzählen.

Dezember 2018, Manfred Kasper im Auftrag der NA-BIBB

Die Erlebnisse von Tim sind ebenso in einer Fotostory dokumentiert, die hier zu finden ist.

 
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